LA LE LU

 

Ich war voller Liebe, als ich das Geschenk für meine Freundin, die kürzlich ein Baby bekommen hat, in den Händen hielt. Die Begeisterung war so groß, dass ich meinem Mann, der im Auto saß und auf mich wartete, diese zauberhafte Spieluhr unbedingt vorspielen musste. Wir waren weg-gebeamt voller Liebe und inneren Friedens... Als PLÖTZLICH hinter uns gehupt wurde. Rausgerissen aus diesem friedvollen La Le Lu-Moment konnte ich gar nicht schnell genug verstehen, dass es um mich bzw. meinen Parkplatz ging. Der Dame ging es nicht schnell genug, denn das Hupen verstärkte sich. Schließlich brüllte sie aus dem Fenster: “fahren Sie jetzt raus oder fahren Sie nicht raus?” Ich wurde hektisch, weil ich auf dem Fahrersitz saß und Tasche, Tüte und Spieluhr so schnell nicht verstauen konnte. Ich fühlte mich gehetzt und fuhr genervt und meckernd davon.

 

Was ist passiert? Die Fahrerin war genervt, weil sie Aussicht auf einen Parkplatz hatte. Nun hatte sie meinen anvisiert und ich kam nicht in die Hufe. Hinter ihr hatte sich mittlerweile eine Auto-Traube gebildet. Sie wurde nervös und hat den Druck lautstark an mich weiter gegeben.

 

Der Blick durch die Brille der mediativen Haltung: es gibt keinen Schuldigen. Wohl aber mehrere Kontexte und unterschiedliche Bedürfnisse. Nachdem ich mich beruhigt hatte, habe ich versucht mich in die Fahrerin hinein zu versetzen: möglicherweise war sie schon fünf Mal im Kreis gefahren, um einen Parkplatz zu finden. Vielleicht war sie spät dran und konnte den Druck durch die größer werdende Fahrzeug-Traube hinter sich nicht aushalten. Eigentlich doch ziemlich verständlich, oder? Wenn sie nun auch meinen Kontext kennen würde, könnten wir vielleicht gemeinsam über diese Situation lachen.