SCHNÄPPCHEN REFLEX

 

Eine meiner Lieblingsbeschäftigungen: über'n Flohmarkt schlendern und schöne Dinge finden. Letzten Sonntag war es mal wieder soweit. Ich entdecke zwei handgefertigte Windlichter aus hauchdünnem Porzellan, die 6 EUR kosten sollen. "Für Fünf?"... höre ich mich fragen. Mein Gegenüber verzieht das Gesicht. Ich halte kurz inne und lasse die Situation gedanklich durch mein Räuberleiter-Wertesystem laufen...

 

Oha, mir wird klar, dass ich beim Aussprechen meines Angebotes dieses merkwürdige Gefühl in der Magengegend hatte. In Wahrheit bin ich nicht der Typ, der Schnäppchen-Angebote aus Prinzip noch weiter runter handelt - nur weil "man" das auf Flohmärkten so macht. Geht's ums Feilschen? Oder geht's darum den Wert für einen Gegenstand festzulegen, den ich für begehrenswert halte und für den sich eine ältere Dame seit 6 Uhr morgens den Sonntag um die Ohren schlägt?

 

Ich lächle die Dame an und sage: "Ach, vergessen Sie's, hier sind 6 EUR. Das ist ja schon ein unschlagbarer Preis". Die Verkäuferin bedankt sich und wickelt das wertvolle Gut liebevoll in Zeitungspapier ein. "Geht das so mit", fragt sie. "Oder brauchen Sie eine Tüte?" Ich nehme die Tüte und staune welch ungewöhnlicher Service hier für 6 EUR geboten wird.

 

Beim Weiterschlendern denke ich über unseren kollektiven und antrainierten "Gehts-noch-billiger"-Reflex nach. In Wahrheit geht's uns doch prima. Was machen da ein paar Euros mehr oder weniger aus, wenn wir dafür einen angemessenen und wertschätzenden Ausgleich à la WinWin schaffen können, so dass sich beide Parteien wohl fühlen?

 

Meine zauberhaften Windlichter, die eigentlich als Mitbringsel gedacht waren, stehen jetzt in meiner Küche. Mal sehen, ob und wann sie den Besitzer wechseln. Auf jeden Fall haben sie eine schöne Geschichte zu erzählen.