FLYING CROISSANTS

 

Während ich in einem Hamburger Coffeeshop auf meine Verabredung warte, beobachte ich eine junge Mitarbeiterin, die ein Croissant aus der Vitrine nimmt, um es auf einen Teller zu platzieren - was ihr nicht gelingt. Denn das gute Stück entgleitet ihr und fällt zu Boden. "Ach Mist", höre ich sie murmeln - während sie das Teilchen aufhebt und samt Teller zur Seite stellt. Sofort stürmt eine Kollegin herbei und wirft das Croissant demonstrativ und Augen rollend weg, mit den Worten "das gehört in den Mülleimer." Ui, denke ich, das könnte spannend werden.

 

Ich beobachte, wie sich das Gesicht der Mitarbeiterin verzieht. Wütend geht sie auf die Kollegin zu und macht klar, dass sie das Croissant absichtlich zur Seite gelegt habe, damit einer der Angestellten es später noch essen könne; sie hätte es ja schließlich keinem Gast servieren wollen. Die Kollegin, sichtbar verärgert, kontert vorwurfsvoll. Es gäbe strenge Lebensmittelhygiene-Vorschriften, die zu beachten sind; damit im Falle einer Prüfung keine Abmahnung droht.

 

Durch den bestürzten Ausdruck der jungen Mitarbeiterin findet die Anklägerin plötzlich wieder in die Realität und zu einer empathischeren Haltung zurück. Sie begreift, dass die junge Frau in bester Absicht gehandelt hat und bittet sie in einem nun freundlicheren Ton sämtliche Lebensmittel, die zu Boden fallen, kompromisslos zu entsorgen... "Oh Gott, du hast völlig Recht..." höre ich die bestürzte Kollegin sagen. "Entschuldige, da habe ich überhaupt nicht drüber nachgedacht." Beide nicken sich kurz zu und gehen wieder zur Tagesordnung über.

 

Es gibt in der Regel immer eine plausible Erklärung für unser Tun. Wenn wir es schaffen das Handeln des Gegenübers zu hinterfragen, ohne ihm gleich eine böse Absicht zu unterstellen, haben wir die Chance Mißverständnisse zügig aus der Welt zu räumen.

 

Ich bleibe weiter auf Räuberleiter-Endeckungsreise.

Und wünsche uns allen eine erkenntnisreiche Woche.