GOODBYE MY LOVE

 

Als ich sonntagnachmittags mein geliebtes 21 Jahre altes GAZELLE-Rad aus dem Fahrradkeller schieben will, ist es verschwunden. Ich stehe unter Schock und gehe im Geiste die letzten Tage durch... Donnerstagmorgen habe ich es im Keller geparkt und wie üblich abgeschlossen - das weiß ich genau. Ohnmacht breitet sich aus. Kann das wirklich sein...? Dass ein gesichertes Fahrrad aus einem verschlossenen Keller rausgetragen wird? 

 

Plötzlich überkommt mich ein Déjà-vus: Im letzten Winter wurde vor meiner Wohnungstür ein antikes Objekt, das im Sommer auf dem Balkon steht, gestohlen. Sollte es da einen Zusammenhang geben? Meine negativen Gedanken werden von einer Nachbarin angeheizt, als ich höre, dass die Tür des Fahrradkellers am Samstagmorgen sperrangelweit offen stand. Fassungslosigkeit macht sich breit - mein Grundgefühl gegenüber einiger Hausbewohner bestätigt sich: Hier hat offensichtlich jemand die Kellertür hinter sich nicht zugezogen. Mir wird schlecht. Wut mischt sich mit Trauer und Entrüstung. Nur weil jemand unachtsam ist, habe ich meinen alten Weggefährten verloren und bin jetzt immobil - denn wer weiß, wann sich die Versicherung bei mir meldet.... Und ob die wohl den kompletten Schaden übernehmen? Und was, wenn mein neues Fahrrad im alten Keller nicht mehr sicher ist? Kopfkino at its best.

 

Nach einer Weile wird mir klar, dass ich mich in einer destruktiven Abwärtsspirale befinde, die mit 100%iger Sicherheit ins Nirvana, aber zu keinem positiven Ergebnis führt. Was passiert in so einem Moment? Unser Geist verengt sich und das Umfeld wird zum Feind. In diesem Moment fällt es uns schwer Themen sachlich voneinander zu trennen; unsere Geisterbahn im Kopf hat Tag der offenen Tür. Da hilft nur eins: auf die Bremse treten und anhalten!

 

Mit dieser Erkenntnis verabschiede ich mich gedanklich von meiner alten GAZELLE und stelle mir im Geiste mein neues Gefährt vor. Und - was soll ich sagen - schon zwei Tage später liegt ein Verrechnungsscheck meiner Versicherung im Briefkasten.