WARUM ICH MIT KLARHEIT NICHT BADEN GEHE

 

Ich bin zu Besuch bei meiner Freundin, der Mediatorin Maria Hinterauer, die mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern im Salzburger Land lebt. Wir besprechen, wie wir die kommenden Tage planen wollen. Maria möchte morgens im See baden. Einerseits begeistert - spüre ich einen zarten Widerstand in mir. Als ich erwähne, dass ich meine Yoga-Sachen mitgebracht habe und Maria nachfragt, wann ich morgens am liebsten Yoga praktiziere, fällt es mir wie Schuppen von den Augen: dass ich das eine machen kann, ohne auf das andere zu verzichten. Maria hat mich durch ihre Räuberleiter-Frage behutsames aus meiner kleinen gedanklichen Sackgasse geführt.

 

Später am Nachmittag beobachte ich Maria, wie sie mit ihrem 4jährigen Sohn das geplante Programm des nächsten Tages bespricht und den Hauch eines Widerstands zum Anlass nimmt nachzufragen, was ihm wichtig ist. Als fest steht, dass Jonas sich Zweisamkeit wünscht, hakt Maria sachte nach, weil noch nicht geklärt ist mit wem er sich diese Zweisamkeit wünscht. "Jonas möchte morgen gern ein bisschen Zeit mit dir allein verbringen"..., höre ich Maria sagen. "Ist das okay für dich?" Ich nicke und bin fasziniert, wie vermeintlich einfach es ist die Bedürfnisse eines Kindes zu erforschen. Nachdem das WAS geklärt ist, besprechen wir das WIE und finden zügig den allseits passenden Zeitpunkt für die kleine Verabredung.

 

Als Maria und ich allein sind, will ich wissen, wie sie es schafft bei all der Achtsamkeit gegenüber ihres Umfelds nicht selbst zu kurz zu kommen. "Ach", sagst sie, "wenn ich weiß, was mir wichtig ist und was ich wirklich will - so wie das gestrige Baden im See - dann bin ich glasklar in meiner Kommunikation und öffne damit den Raum für die Bedürfnisse der anderen. Erfahrungsgemäß gibt es immer einen schönen Konsens für alle."

Das, was Maria hier kultiviert, nennt sie übrigens "befreiende Kommunikation". Und befreiter fühle ich mich auch nach 3 Tagen "Intensiv-Erfahrung" und viel Natur. Maria sei Dank.