WAFFELN SIND AUS

 

Am Samstagmorgen streune ich genüsslich über'n Flohmarkt, als ein köstlicher Duft in meine Nase steigt. Ein paar Schritte weiter stehe ich vor einer Markise mit der Aufschrift Crêpes & Waffeln. Als ich verheißungsvoll eine Waffel mit Puderzucker bestelle, reagiert mein Gegenüber patzig: "Waffeln gibt's nicht". Verblüfft, jedoch in der Annahme, dass möglicherweise das Waffeleisen noch nicht angeschmissen wurde, oder der Teig noch nicht fertig ist, frage ich: "Wann gibt's denn Waffeln - dann komm' ich später nochmal?" Reichlich belehrend muss ich mir vom Zuckerbäcker anhören, dass dies kein Waffel- sondern ein Crêpes-Stand" ist. Bevor ich Luft holen kann, um das Missverständnis aufzuklären, höre ich ein abfälliges "pffffff" durch seine Lippen zischen - als ob ich beim Konditor ein halbes Schwein bestellt hätte. Selber pffff.

 

Schon merkwürdig, denke ich beim Weggehen, was wir Menschen manchmal für paradoxe Sachen machen: Wir stellen ein Schild auf, vergessen irgendwann, was drauf steht, und dass wir's aufgestellt haben und sind dann verärgert, wenn unser Umfeld darauf reagiert. 

Ich frage mich, in welchen Momenten ich der Zuckerbäcker in meinem Leben bin - wann ich unbewusst ein "Angebots-Schild" aufstelle, was nicht mehr stimmig ist mit dem was ich wirklich will. Mir fällt unsere Urlaubsplanung ein: Ich kümmere mich seit 18 Jahren um unsere Reisen - recherchiere, vergleiche, hole Angebote ein, buche Flüge, Mietwagen und Unterkünfte und hab' Tickets und Adressen parat. Seit einiger Zeit fühlt sich das für mich nicht mehr kongruent an mit dem was ich denke und fühle. Es ist Zeit für einen Rollenwechsel und ich bin gespannt, wohin die nächste Reise geht. 

 

Es kann also nützlich sein mal um den eigenen Marktstand herum zu laufen und zu überprüfen, was genau auf der eigenen Markise steht. Damit am Ende keine Bestellungen einlaufen, die zwar irgendwann mal auf der Karte standen, aber schon längst nicht mehr Teil des Angebots sind.