RUMS!

 

Morgens, auf dem dem Weg zu einem Termin: Die Straßen sind voll und ich fahre stop-and-go hinter einem SUV her, der kurz vor einer grünen Ampel - im absoluten Halteverbot - abrupt stehen bleibt und die Warnblinkanlage einschaltet. Mit Blick auf den Coffeeshop zu meiner Rechten bin ich mir sicher, dass gleich eine perfekt durchgestylte Frau elegant dem SUV entsteigt, um in sich in aller Ruhe einen "Skinny Café Latte" zu holen.

 

Der Rückstau hinter mir wird immer länger. Die Ampel schaltet auf rot und die ersten Autofahrer werden ungeduldig. Das obligatorische Hupkonzert beginnt. Eingekeilt zwischen dem SUV und der gereizten Fahrzeugkolonne hinter mir, ist überholen keine Option. Am liebsten würde ich meinen aufsteigenden Emotionen, wie beim Autoscooter, freien Lauf lassen und mir mit kräftigem Vor- und Zurücksetzen wieder Raum verschaffen... Während ich mich gerade dabei ertappe große Freude an diesen Bildern zu haben, öffnet sich von innen die Beifahrertür des SUV und ich sehe am Straßenrand eine zierliche alte Dame mit Gehhilfe, die sich langsam in Richtung Wagen zubewegt. Es vergeht gefühlt noch eine kleine Ewigkeit bis sie Platz genommen hat. Der SUV setzt sich in Bewegung, der Verkehr fließt wieder. 

 

Etwas irritiert fahre ich weiter - habe ich doch die Situation komplett falsch eingeschätzt. Meine Vorverurteilung war absolut unberechtigt und ich überlege, welche Räuberleiter ich aus dieser Situation mitnehmen kann: Jemand tut etwas, was mir nicht gefällt und ich bewerte sein Verhalten ohne mich für die wahren Hintergründe zu interessieren. 

 

Manchmal sind die Dinge eben doch anders als sie im ersten Moment erscheinen. Dann ist es hilfreich sich bewusst zu machen, dass es vielleicht einen sinnvollen Grund für das Verhalten des Gegenübers gibt – bevor wir dem inneren Autoscooter mal wieder freien Lauf lassen.