WARTEZONE

 

Samstagmorgen im schwedischen Möbelhaus: Es ist kurz vor 10 Uhr und ich stehe mit einer handvoll Wartender vor dem noch geschlossenen Servicebereich für Reklamationen, der jeden Moment öffnet. Mein Blick fällt auf eine Dame, die direkt vor der Absperrung steht und unter großem Zeitdruck zu sein scheint. Unruhig wippt sie von einem Bein aufs andere, schaut immer wieder nervös auf Ihre Armbanduhr und schüttelt genervt mit dem Kopf. “Es ist doch schon 10 Uhr, warum macht denn hier keiner auf”, blafft sie eine vorbeikommende Mitarbeiterin an, die erschrocken die Flucht ergreift. Dann endlich ist es soweit. Die Pforten öffnen sich und die inzwischen explosiv geladene Kundin stürmt im Stechschritt in Richtung Servicetresen.

 

Ich verfolge die Szene erstmal nicht weiter, da ich auf das Ziehen einer Wartemarke fokussiert bin und mich dann gemütlich in eine Sitzecke fallen lasse. Jetzt bemerke ich wieder die „ungehaltene Kundin”, die wild gestikulierend mit einem Servicemitarbeiter diskutiert und dann mit hoch rotem Kopf in Richtung Wartemarken-Apparat läuft. Ihr Gesicht spricht Bände, als sie mit ihrem Märkchen in der Hand auf die Anzeigentafel schaut und feststellt, dass mittlerweile rund 8-10 Personen vor ihr dran sind. Ganz offensichtlich hat sie in ihrer Hektik und ihrem Frust das Wartemarken-Prinzip nicht wahrgenommen und muss sich jetzt hinten anstellen.

 

An manchen Tagen sind wir einfach nicht im Flow, meist ausgelöst durch einen ersten negativen Gedanken am Morgen. Denn: Gedanken machen Gefühle. Stress und Hektik breiten sich in uns aus und verengen unseren Blick und unsere Wahrnehmung. Jede neue Situation des Tages, der wir mit unserer Grundhaltung begegnen, erzeugt negative Erfahrungen. Wir geraten immer weiter in eine destruktive Abwärtsspirale, erkennbar daran, dass wir alles in unserer Umgebung nur noch doof und jeden für unfähig halten.

 

Ein schöner Moment inne zu halten, sich an die Dame in der Wartezone zu erinnern und mental aus dieser Abwärtsspirale herauszutreten. Mit Bewusstheit und etwas Übung gelingt uns das immer besser. So dass die Wartezone zu einem wundervoll ruhigen und entspannten Ort wird.