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Montagmorgen: Nachdem ich für einen anstehenden Business-Termin meine weiße Bluse aus der Reinigung geholt habe, springe ich noch schnell in meinen Lieblings-Coffee Shop, um einen Espresso mitzunehmen. Als ich endlich mein Getränk in der Hand halte, bewege ich mich zielsicher in Richtung Ausgang - voll bepackt mit Kaffeebecher, Handtasche und Reinigungs-Tüte. Gedanklich bin ich bei meinem bevorstehenden Business-Termin, für den ich mich perfekt vorbereitet fühle. Plötzlich spüre ich einen Schlag. Die Eingangstür knallt mit Wucht gegen meinen Oberarm und der Kaffee hüpft aus dem ToGo-Becher.

 

Regungslos starre ich auf meine Tüte und auf den riesigen Kaffeefleck auf meiner frisch gereinigten weißen Spitzenbluse. “Sorry”, höre ich neben mir eine kleinlaute Frauenstimme. Die Dame war offensichtlich in Eile und hat mir buchstäblich die Tür vor der Nase zugeschlagen. In Bruchteilen einer Sekunde ist die gedanklich gute Vorbereitung dahin. Was bitte soll ich jetzt bloß zu dem Termin anziehen, ist mein erster Gedanke? 

 

Zu Hause angekommen beginne ich den Kaffeefleck hektisch mit Gallseife zu bearbeiten - obwohl die Bluse, laut Etikett, eigentlich nicht waschbar ist. “Bring sie doch einfach in die Reinigung” kommentiert mein Mann im Vorbeigehen die Szene. “Da kommt sie ja gerade her”, höre ich mich zischen und muss im nächsten Moment lauthals lachen, weil die Situation doch sehr absurd zu sein scheint.

 

Dieses Festhalten an Dingen, die wir nicht ändern können, kostet unglaublich viel Energie und ändert an unserem gefühlten Unglück rein gar nichts. Mit etwas Abstand gibt es aber in der Regel im vermeintlichen Pech auch ein bisschen Räuberleiter-Glück zu entdecken… Denn als ich später im Meeting sitze, erkenne ich, dass meine weiße Spitzenbluse ein völlig falsches Signal gesetzt hätte.

 

Und der Fleck ist trotz Gallseife sogar wieder raus gegangen - die Bluse hat sich wider Erwarten als “waschbar” erwiesen. Alles in allem also ein ziemlich erfolgreicher Tag :-)