WILLKOMMEN

 

Nach einer 3-monatigen Wartezeit auf einen Heilpraktiker-Termin, stehe ich um kurz nach 8h00 vor der Praxistür. Eigentlich bin ich zu früh - mein Termin ist erst um 8h30. Einen Moment lang zögere ich noch, aber entscheide mich dann zu klingeln. Der Türsummer brummt. Als ich in den Flur der Praxis spaziere, blafft mich eine empörte Person von Weitem an: “unser Termin ist erst um 8h30!” Etwas verstört betrete ich den Empfangsbereich. “Lassen Sie sich Zeit” sage ich noch verständnisvoll zu der aufgebrachten Dame. “Das habe ich auch vor” entgegnet diese fast feindlich. Beim Aufhängen meines Mantels spüre ich eine enorme Wut in mir aufsteigen. Jetzt reicht's! Ich will in den Angriffsmodus schalten ….

 

… aber gleichzeitig ist da dieser einlenkende Polizist in mir, der mich davon abhält zu explodieren. Ich überlege kurz, ob ich nicht einfach wortlos die Praxis verlassen soll. Nichtstun ist jedenfalls keine Option für mich. Schließlich bewege ich mich in Richtung Tresen - mit den Worten: “Wissen Sie, ich bin das erste Mal hier in dieser Praxis. Und  weil ich 25 Minuten zu früh bin, werde ich von Ihnen verurteilt. Ich fühle mich nicht gerade willkommen  - nur mal so als Feedback”. Es herrscht kurz Stille. Als die Dame, ihre Fassung wieder gewinnt, erklärt sie in spürbar ruhigerem Ton, dass das Praxistelefon nicht funktioniere und sie deshalb in völligem Ausnahmezustand sei.

 

Dieses "Don’t shoot the Messenger-Syndrom" kennen wir alle:  Wir ärgern uns über jemanden oder über etwas und die erste Person, die nach dem Vorfall durch die Tür kommt, wird energetisch erschossen... Aber - kaputtes Telefon hin oder her - die Art und Weise, WIE mit mir gesprochen wurde, war nicht akzeptabel. 

 

Für mich war das eine heilsame Räuberleiter, denn ich spürte nach meinem kleinen Plädoyer eine innere Erleichterung und Klärung. Meine Wut war verflogen, weil ich meinen Gefühlen Ausdruck verliehen habe und mich für mich selbst eingesetzt habe. Mein alter Glaubenssatz “ich störe” hat mich nochmal ordentlich durchgeschüttelt. Es ist Zeit ihn jetzt loszulassen und zu transformieren in “ich bin willkommen”.